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Die Vorteile der bilateralen Koordination bei Lernschwierigkeiten: Die Studien von Reynolds und Nicolson

Wenn ein Kind große Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat, ist der erste Instinkt der meisten Eltern und Pädagogen, es mehr lesen und schreiben zu lassen. Die Logik scheint unfehlbar – Übung macht den Meister. Doch die moderne Wissenschaft offenbart uns einen völlig anderen, viel effektiveren und unerwarteten Ansatz: Der Weg zum flüssigen Lesen führt vielleicht nicht (nur) über das Lehrbuch, sondern über die Bewegung des Körpers.

Einen Beweis für dieses revolutionäre Konzept finden wir in einer der einflussreichsten klinischen Studien, die in der renommierten Fachzeitschrift Dyslexia veröffentlicht wurde.

Bewegung als Therapie: Was beweist die Wissenschaft?

Im Jahr 2007 führten die Wissenschaftler David Reynolds und Roderick Nicolson eine groß angelegte Studie mit Kindern durch, die an Dyslexie (Lese-Rechtschreib-Schwäche) und ausgeprägten Lernschwierigkeiten litten. Die Forscher teilten die Kinder auf und wandten unterschiedliche Ansätze an: Die eine Gruppe erhielt nur die standardmäßige logopädische und pädagogische Therapie, während die andere Gruppe diese Therapie mit täglichen, spezialisierten motorischen Übungen kombinierte.

Diese Übungen waren kein Zufall – sie basierten vollständig auf dem Training des Gleichgewichts und der sogenannten bilateralen Koordination (der Fähigkeit, die linke und rechte Körperhälfte synchron einzusetzen).

Ein dramatischer Sprung in den Ergebnissen

Nach Ablauf des experimentellen Zeitraums stellten die Ergebnisse die traditionellen Vorstellungen vom Lernen entschieden auf den Kopf. Die Gruppe von Kindern, die regelmäßige motorische Koordinationsübungen praktiziert hatte, zeigte nicht nur leichte Fortschritte, sondern eine dramatische Verbesserung bei mehreren akademischen Schlüsselindikatoren:

  • Deutliche Steigerung der Lesegeschwindigkeit und des flüssigen Lesens.
  • Erhöhung der Schreibgenauigkeit (signifikant weniger ausgelassene oder verwechselte Buchstaben).
  • Ein riesiger Sprung in der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses – der Fähigkeit des Kindes, Informationen im Kopf zu behalten und zu verarbeiten, während es eine Aufgabe ausführt.

Der geheime Mechanismus: Warum verbessert Bewegung das Lesen?

Um zu verstehen, warum körperliche Übungen akademische Defizite lindern können, müssen wir einen Blick auf die Neurologie werfen. Die Fähigkeiten zum Lesen und Schreiben erfordern eine perfekte Kommunikation zwischen der linken Gehirnhälfte (zuständig für Sprache und Logik) und der rechten Hemisphäre (zuständig für räumliche Orientierung und visuelle Wahrnehmung).

Wenn das Kind Übungen ausführt, die eine bilaterale Koordination erfordern, „zwingt“ es die beiden Hemisphären physisch dazu, schnell und effektiv über die sie verbindende Brücke – das Corpus callosum (den Gehirnbalken) – miteinander zu kommunizieren. Sobald dieser Nervenweg durch Bewegung optimiert ist, beginnt er auch, akademische Informationen (wie das Erkennen von Buchstaben und Silben) schneller und genauer zu übertragen.


Jenseits der Dyslexie: Neurogymnastik für jedes Gehirn

Diese Studie zeigt uns etwas Fundamentales: Die Mechanismen, die dem Gehirn helfen, spezifische Herausforderungen wie Dyslexie zu überwinden, sind exakt dieselben, die das kognitive Potenzial eines jeden Kindes stimulieren und optimieren.

Genau auf diesem wissenschaftlich fundierten Prinzip basiert die Philosophie von Vivabook. Jede Übung in unseren Materialien, die vom Kind verlangt, Linien gleichzeitig mit der linken und rechten Hand zu zeichnen oder nachzuspuren, ist eine reine Form des Trainings der bilateralen Koordination.

Dieser auf den ersten Blick einfache motorische Prozess führt in Wirklichkeit eine tiefgreifende „Feinabstimmung“ des Gehirns durch – er synchronisiert die Hemisphären, erweitert das Arbeitsgedächtnis und bereitet die perfekte neurologische Basis für erfolgreiches Lesen, Schreiben und höchste Konzentration in der Schule.

Quellen und wissenschaftliche Publikationen:

  • Studie: Treatment of dyslexia by motor exercises (Behandlung von Dyslexie durch motorische Übungen). Autoren: D. Reynolds, R. I. Nicolson. Veröffentlicht in der Fachzeitschrift Dyslexia, 2007. Den vollständigen Text der Studie finden Sie hier: PubMed – National Library of Medicine
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