Ein kluges und fähiges Kind heranzuziehen, ist unser primäres Ziel – doch einen guten Menschen zu erziehen, ist unsere wichtigste Mission. Oft fragen wir uns, wie genau wir den Samen des Mitgefühls säen können. Die einfachste Antwort lautet: Wir brauchen dafür keine komplizierten psychologischen Tricks. Wir müssen nur erkennen, dass echte Güte kein angeborenes Talent ist, sondern eine Gewohnheit, die wir Tag für Tag kultivieren müssen.
Das abendliche Ritual: Den Fokus auf das Gute richten
Wie genau bauen wir diese Gewohnheit auf? Der Anfang lässt sich ganz unbemerkt machen – in den ruhigen Minuten abends vor dem Einschlafen.
Anstatt die üblichen Routinefragen zu stellen wie „Hast du heute dein Mittagessen aufgegessen?“ oder „Was habt ihr im Kindergarten gespielt?“, sollten wir versuchen, den Fokus zu ändern. Fragen wir das Kind doch lieber: „Wem hast du heute geholfen? Wem konntest du heute eine Freude machen?“. Ein solches Gespräch lehrt das Kind, seine Handlungen durch die Brille der Fürsorge für andere zu betrachten und nicht nur auf persönliche Erfolge stolz zu sein, sondern auch auf die Hilfe für seine Mitmenschen.
Die Montessori-Regel: Taten sprechen lauter als Worte
So wertvoll diese Gespräche auch sind, sie allein reichen nicht aus. Damit Empathie wirklich Wurzeln schlagen kann, braucht sie reale Handlungen.
Schon Maria Montessori betonte, wie wichtig es ist, Heranwachsende in echte Aufgaben einzubeziehen, die kontinuierliche Fürsorge erfordern. Nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch:
- Futterstellen für Vögel im Winter bauen;
- sich um heimatlose Tiere kümmern;
- älteren Nachbarn beim Tragen der Einkaufstaschen helfen.
Genau in solchen scheinbar kleinen Momenten formen wir den Charakter des Kindes. Durch solche einfachen, aber bedeutungsvollen Taten erweitern wir seinen Horizont. Der kleine Mensch beginnt, die Menschen um sich herum wahrzunehmen, fremde Bedürfnisse zu erkennen und zu begreifen, dass seine eigenen Handlungen von echter Bedeutung sind und den Tag eines anderen Menschen verändern können. So wird sein Herz allmählich gütiger und offener für die Welt.
Wir im Vivabook-Verlag glauben fest daran, dass die kindliche Entwicklung ein ganzheitlicher Prozess ist. Genauso wie die Neurogymnastik in unseren Büchern den Verstand trainiert und neue neuronale Verbindungen aufbaut, so trainieren kleine gute Taten die emotionale Intelligenz. Denn Kinder, die wirklich auf die Zukunft vorbereitet sind, besitzen nicht nur einen wachen Verstand, sondern auch ein großes Herz.
